Immuntherapie ist ein vielversprechender Ansatz für Krebstherapien

„Den T-Zellen-Beschleuniger schlagen“ und andere schnell agierende Strategien

Dr. Leena Gandhi über Immuntherapie

Dr. Leena Gandhi

Dr. Jill O'Donnell-Tormey über Immuntherapie

Dr. Jill O'Donnell-Tormey

Im Jahr 2017 wurden an der die Immuntherapieforschung Interessierte eingeladen, an zwei aufschlussreichen Webinaren teilzunehmen, eines mit Dr. Leena Gandhi, Direktorin für Thorax-Onkologie am NYU Perlmutter Cancer Center, und das andere von Dr. Jill O'Donnell-Tormey, CEO und Direktor für wissenschaftliche Angelegenheiten am Cancer Research Institute in New York City.

Dr. Gandhis Forschung konzentriert sich auf die frühe Entwicklung von Medikamenten für Lungenkrebs, insbesondere auf das Potenzial für die Verwendung neuartiger Immuntherapie-Kombinationen für die Behandlung.

Dr. O'Donnell-Tormey trat dem CRI 1987 bei und ist seit 1993 dessen CEO. Bevor sie zum CRI kam, arbeitete sie als CRI-Postdoktorandin im Labor für Zellphysiologie und Immunologie an der Rockefeller University.

Neben der Tatsache, dass beide für ihre derzeitigen Positionen in New York City gelandet sind, teilen diese beiden Experten eine ähnliche Meinung über Immuntherapie: Trotz vieler Höhen und Tiefen in den letzten Jahrzehnten sieht deren Rolle bei der Entwicklung zukünftiger Krebsbehandlungen zunehmend vielversprechend aus.

Viele Aufs und Abs: Die frühen Jahre der Immuntherapie

„Die Immuntherapie wurde von vielen übertriebenen Hypes geplagt“, sagt O'Donnell-Tormey und weist dabei insbesondere auf die Bezeichnung monoklonaler Antikörper als „Wunderwaffe gegen den Krebs“ hin, die bis in das Jahr 1970 zurückreicht. Leider entpuppten sich diese „magischen Kugeln“ bald darauf als Platzpatronen.

„Als die Erwartungen nicht erfüllt wurden", sagt sie, „haben alle einen großen Teil ihres Optimismus über das Forschungsgebiet im Allgemeinen verloren.“

Die frühe Geschichte der Immuntherapie war gekennzeichnet von Aufs und Abs - und wohl mehr von Letzterem als vom Ersterem. Nach dem Blindgang der „magischen Kugeln“ der 1970er Jahre scheiterte der erste monoklonale Antikörper gegen Lymphome in den 1980er Jahren. Viel später in jenem Jahrzehnt wurde jedoch Interferon gamma zur Behandlung von Melanomen zugelassen. Im Jahr 1991 wurde das erste Tumorantigen identifiziert, das einigen Forschern neue Hoffnung gab, dass wir tatsächlich die Kraft des menschlichen Immunsystems nutzen könnten, um Krebszellen direkt anzugreifen.

Während der erste erfolgreiche monoklonale Antikörper (Rituximab) 1997 zugelassen wurde, gab es in den 1990er Jahren jedoch auch eine Reihe von Krebsimpfstoffen, von denen viele dachten, dass sie eine wirksame neue Strategie zur Krebsprävention seien. Mit der bemerkenswerten Ausnahme des humanen Papillomvirusimpfstoffs mit seiner nachgewiesenen Fähigkeit, HPV-bezogene Krebserkrankungen zu verhindern, konnten auf dem Gebiet der Immuntherapie für viele Jahre nur selten Erfolgsgeschichten vermeldet werden.

Dies ging bis in die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts, in der die Immuntherapie wieder, um mit den Worten von O'Donnell-Tormey zu sprechen, „der neue Liebling der Onkologie“ wurde.

„Im Jahr 1991 wurde das erste Tumorantigen identifiziert ..., das neue Hoffnung gab, dass wir tatsächlich die Kraft des menschlichen Immunsystems nutzen könnten.“

Im Jahr 2011 wurde eine Anti-CTLA-4-Checkpoint-Blockade für metastasierte Melanome zugelassen - die erste Behandlung, die sich auf die Gesamtüberlebensraten für Melanome im Spätstadium auswirkt. Seitdem hat die FDA 13 verschiedene Immuntherapien für 12 Krebsarten zugelassen.

„Das Magazin Science hat 2013 die Immuntherapie als Durchbruch des Jahres bezeichnet, und laut ASCO war sie der größte Fortschritt im Jahr 2016“, so O'Donnell-Tormey in Bezug auf die American Society of Clinical Oncology. „Auf der letzten Sitzung von ASCO im Juni war sie das Thema vieler Vorträge - eine große Veränderung gegenüber vor 10 Jahren, als die Immuntherapie am letzten Tag in einem (kleinen) Konferenzraum nebensächlich behandelt wurde und niemand erschien.“

Die Ironie der Bezeichnung der Immuntherapie als „Durchbruch“ im Jahr 2013 hat für Dr. Ghandi immer noch Bestand, der, wie O'Donnell-Tormey wiederholt, daran erinnert, dass die Immuntherapie keineswegs ein neues Konzept in der Krebsbehandlung ist. Dr. Ghandi unterscheidet jedoch zwischen aktiver und passiver Immuntherapie - insbesondere die Letztere erregt bei ihr und ihren Onkologen-Kollegen großes Interesse.

„Aktive Immuntherapien oder die Versuche, eine Reaktion gegen Tumore zu stimulieren, umfassen zytokinbasierte Therapien (und) Krebsimpfstoffe, die seit vielen Jahren auch für viele verschiedene Tumorarten von großem Interesse sind“, sagt Dr. Ghandi.

„Die „passive“ Immuntherapie dagegen ist die entgegengesetzte Blockierungshemmung gegen die Immunantwort am Tumor oder dessen Mikroumgebung. (Dabei handelt es sich um) ein neueres Konzept in der Onkologie-Behandlung, welches mit der Entwicklung von Anti-CTLA-4-Antikörpern begann und in jüngerer Zeit das Feld mit der Entwicklung von Anti-PD-1- oder PD-L1-Antikörpern transformiert hat.“

Diese spezifischen Antikörper erzeugen sogenannte Checkpoint-Blockaden, ein Werkzeug, das die Begeisterung für neue Immuntherapien für Krebs deutlich gesteigert hat.

Achtung: Checkpoint voraus

Wie funktionieren Checkpoint-Blockaden? O'Donnell-Tormey vergleicht den Prozess gern mit dem Autofahren.

Sie erklärt, warum: „Damit eine T-Zelle aktiviert wird - um eine Effektorzelle zu werden, die eine Krebszelle zerstören kann - benötigt sie zwei Signale. Als erstes muss der T-Zell-Rezeptor den Marker „sehen“, der (ein) Haupthistokompatibilitätskomplex-Antigen (MHC-Antigen) identifiziert, das von einer dendritischen Zelle präsentiert wird. Wenn dieses Signal von selbst auftritt, kann die T-Zelle nicht aktiviert werden, wird inaktiv und stirbt. Was benötigt wird, ist ein zweites Signal, ein Marker auf der T-Zelle, der CD28 genannt wird, (der) an einen B7-Marker auf der das Antigen-präsentierenden Zelle (APC) bindet. Wenn diese beiden Signale gleichzeitig auftreten, erhalten Sie eine T-Zell-Aktivierung.

Die T-Zellaktivierung wird initiiert

„Das Immunsystem verfügt über natürliche Kontrollen und Gleichgewichte“, fährt sie fort. „Und eine davon ist CTLA-4, das wir „Bremse“ nennen. Wenn die zwei Signale die T-Zelle aktivieren, beginnt sie, CTLA-4 auf seiner Oberfläche zu produzieren, (was) CD28, das an das B7-Molekül bindet, übertreffen kann. Wenn CTLA-4 an B7 bindet, sendet dies ein Stoppsignal. Diese stoppt die Aktivierung der T-Zelle, welche dadurch inaktiv wird.

Die Aktivierung der T-Zellen stoppt.

„(Mit) Checkpoint-Blockaden (wird) ein Antikörper erzeugt, der an die „Bremse“, also das CTLA-4-Molekül - bindet, der dadurch nicht mehr an B7 binden kann, so dass die T-Zelle in einem aktivierten Zustand bleibt. Einfach gesagt, löst ein Antikörper gegen CTLA-4, die Bremsen des Immunsystems.

„Wenn uns das Immunsystem als ein Auto vorstellen, ähnelt das erste Signal, die T-Zell-Rezeptor-Antigen-MHC-Bindung, dem Einführen des Zündschlüssels in das Zündschloss. (Aber) das Auto bewegt sich nicht, bis Sie Ihren Fuß auf das Gaspedal setzen. Das Gaspedal des Immunsystems heißt CD28 und B7. Um das Auto zu stoppen, müssen Sie Ihren Fuß auf die Bremse setzen. Diese Bremse ist CTLA-4 und B7. Wenn Sie also die CTLA-4 Bindung an B7 unterbrechen, funktioniert die T-Zelle weiter, so dass das Auto weiterläuft.“

Andere Checkpoint-Blockaden, wie diejenigen, die auf das programmierte Zelltod-Protein 1 (PD-1) und einen seiner Liganden, PD-L1, abzielen, können ebenfalls zurückschlagen, wenn Krebszellen die natürlichen Kontrollmechanismen des Immunsystems hinzuziehen.

Tumorzellen produzieren PD-L1, das an einen PD-1-Rezeptor an der T-Zelle bindet, wodurch das Immunsystem im Wesentlichen ausgeschaltet wird, indem Tumorzellen „unsichtbar“ gemacht werden. Durch die Erzeugung von Antikörpern, die entweder an PD-L1 oder PD-1 auf der T-Zelle binden, können wir diese Wechselwirkung stoppen und es den T-Zellen ermöglichen, „zu sehen“ und die Tumorzellen zu zerstören.

Die Aktivierung der T-Zellen wird fortgesetzt.

Bis heute hat die FDA sechs Checkpoint-Blockaden zugelassen, eine gegen Anti-CTLA-4 und mehrere gegen PD-1 oder PD-L1. Sie wurden für sieben verschiedene Krebsarten zugelassen - und zwar nicht nur für Krebserkrankungen im Spätstadium, sondern auch für die Behandlung von Melanomen, Blasenkrebs und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.

„Es gibt eine Korrelation“, so O'Donnell-Tormey, „zwischen Krebsarten mit höheren Mutationsraten, wie zum Beispiel Melanomen, die eine höhere Ansprechrate auf Checkpoint-Blockaden haben, und zwar bis zu 40-45 %. (Aber) einige Krebszellen, wie zum Beispiel Prostata- oder Uterussarkome, haben überhaupt keine Ansprechrate auf Checkpoint-Blockaden gezeigt.

„Und dann sieht man eine Abweichung zwischen 10 % und 40 %. Dies sind beeindruckende Ansprechraten - aber diese zeigen uns auch, dass nur eine Untergruppe von Patienten mit verschiedenen Krebsarten tatsächlich reagiert.“

„Einfach gesagt, „löst“ ein Antikörper gegen CTLA-4 die Bremsen des Immunsystems.

Dieses Problem ist etwas, zu dem Dr. Ghandi einiges zu sagen hat.

„Es gibt eine anhaltende Kontroverse über den prädiktiven Wert der PD-L1-Expression auf Tumorzellen in Bezug auf die Fähigkeit, (ein) Ansprechen zu generiere“, sagt Ghandi. „Wir wissen, dass nur ein Teil der Patienten einen langfristigen Nutzen hat, die noch zu erörternde Frage bleibt aber, (was) der beste Weg ist, um diese Patienten zu identifizieren.

„Wir wissen aus einer großen Menge von Arbeiten über die Bewertung somatischer Mutationshäufigkeiten in verschiedenen Tumorarten, dass Tumorarten, die die größten Vorteile von PD-1 und PD-L1-Inhibitoren aufgewiesen haben, etwas gemeinsam haben. Sie alle haben die höchsten Mutationslasten. Die ersten Zulassungen für die PD-1-Therapie wurden für Melanome, die zweiten für Lungenkrebs und die dritten für Blasenkrebs erteilt - dies sind alles Tumorarten mit der höchsten Gesamtmutationslast, (was) auch einen Sinn ergibt.

„Wenn es auf DNA-Ebene viele Mutationsänderungen in Tumorzellen gibt, würden wir erwarten, dass der Tumor immunogener und für das Immunsystem erkennbarer wird.“

Obwohl es immer noch viel gibt, was Wissenschaftler über die Checkpoint-Blockade-Therapie lernen müssen, erwarten viele, dass diese schließlich zur Erstlinienbehandlung für viele Arten von Krebs werden wird. Tatsächlich kann die PD-1-Checkpoint-Blockade bereits eine bessere Wahl als eine Chemotherapie oder Bestrahlung sein, da sie eine ähnliche Wirksamkeit mit weniger schweren Nebenwirkungen gezeigt hat.

Und während CTLA-4 und PD-1 derzeit im Fokus der meisten Immuntherapiestudien stehen, erwarten die Forscher weitere Checkpoints, die diese Entdeckung schließlich gemeinsam nutzen werden. Im Moment wissen wir, dass mehrere Checkpoints in Tumoren mit PD-L1 und PD-1 koexprimiert werden. Daher werden einige dieser Moleküle bald in klinischen Studien getestet, viele in Kombination mit Anti-PD-1- oder Anti-PD-L1-Blockaden.

Das Versprechen der Immuntherapie: Nicht mehr nur eine Chimäre?

Zusätzlich zu den Checkpoint-Blockaden - einer Therapie, die kürzlich aufgrund ihrer erfolgreichen Verwendung bei der Behandlung des Melanoms des Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter in den Mainstream-Medien hervorgehoben wurde - ist in jüngster Zeit ein weiteres ermutigendes Immuntherapie-Instrument in den Mittelpunkt gerückt. Chimäre Antigenrezeptor-(CAR) T-Zellen sind gentechnisch veränderte Immunzellen, die von dem eigenen Blutstrom des Patienten abgeleitet und zu ihm zurückgeführt werden.

Genauer gesagt, werden die T-Zellen eines Patienten gesammelt und dann zu einem Labor oder einer Arzneimittelherstellungseinrichtung geschickt, wo sie gentechnisch verändert werden, um chimäre Antigenrezeptoren (CARs) auf ihrer Oberfläche zu erzeugen. CARs sind Proteine, die es T-Zellen ermöglichen, ein spezifisches Antigen auf den Tumorzellen zu erkennen, die für den einen individuellen Patienten bestimmt sind.

Nachkonstruierte Zellen werden dann im Labor gezüchtet, wobei jede einzelne „Charge“ von (Millionen von) Zellen eingefroren wird, bis eine ausreichende Menge für die Behandlung vorhanden ist. Diese werden dann zum Krankenhaus oder Behandlungszentrum geschickt, wo sie in den Patienten infundiert werden. Viele dieser Patienten durchlaufen eine kurze Chemotherapie, bevor sie die Infusion von CAR-T-Zellen erhalten.

Nach der Infusion vermehren sich die CAR-T-Zellen und bilden eine virtuelle Armee von „Angreifer“-Zellen, die Krebszellen erkennen und abtöten, die das Zielantigen auf ihrer Oberfläche tragen.

Nachdem die erste Schlacht erfolgreich geschlagen wurde, schützen CAR T-Zellen auch vor einem Wiederauftreten des Krebses des Patienten, da CAR-T-Zellen lange nach der Infusion im Körper verbleiben können. Folglich führt die CAR-T-Zelltherapie häufig zu langfristigen Remissionen.

„Die Ansprechraten sind wirklich bemerkenswert“, sagt O'Donnell-Tormey. „Bei Leukämie sehen wir Ansprechraten, die je nach Art der Leukämie zwischen 60 % und 100 % liegen. Einige Nebenwirkungen waren leider schwerwiegend und die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse ist signifikant.“

Der Enthusiasmus über die CAR-T-Zelltherapie wurde nicht nur durch die Herausforderungen, die ihre Nebenwirkungen darstellen, gedämpft.

„Die Kosten der CAR-T-Zelltherapie sind sehr hoch“, sagt Dr. Ghandi, „weil die Therapie für jeden einzelnen Patienten individuell hergestellt werden muss. Verstehen Sie mich nicht falsch: Alle diese Therapien sind teuer. Die Kosten für PD-1-Inhibitoren sind astronomisch und in der Welt der Onkologie wirklich einmalig hoch. Aber die CAR-T-Zelltherapie geht noch einen Schritt weiter.“

Im Jahr 2017 genehmigte die FDA die erste CAR-T-Zelltherapie - Tisagenlecleucel - für pädiatrische und junge erwachsene Patienten mit B-Zell-Vorläufer akuter lymphoblastischer Leukämie. Bei geschätzten Kosten von mehr als 500.000 USD pro Patient war es nicht überraschend, dass diese neue Form der Therapie mit einer Mischung aus Aufregung und Kontroversen begrüßt wurde.

Für einige Ärzte sind die aktuellen Kosten für die Behandlung dieser Form von Leukämie, wie z. B. die Kosten einer autologen Knochenmarktransplantation (die typischerweise 350.000 USD kostet) Argument genug, um den Wert von Tisagenlecleucel relativiert darzustellen. Da Leukämiepatienten eine ganze Lebenszeit in der Schwebe hängen, stellen sie eine einzigartige Kohorte dar, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis von neuartigen und komplexen Behandlungen wie der CAR-T-Zelltherapie zu vergleichen.

Anstatt jedoch direkt in eine Kosten-Nutzen-Wert-Debatte einzutauchen, konzentrieren sich Dr. Ghandi und Dr. O'Donnell-Tormey lieber auf eine weitere vielversprechende Strategie für die Anwendung der Immuntherapie: die Kombinationstherapie.

Zusätzliche Auswirkung: Die Kraft der Kombinationstherapie

Dr. Ghandi kann auf viele derzeit laufende Studien verweisen, die Immuntherapie-Kombinationen bewerten.

„Diejenige, die am meisten evaluiert wurde - und zumindest zu Veränderungen bei der Behandlung von Melanomen geführt hat - ist die Kombination von PD-1-Hemmung mit CTLA-4-Hemmung“, sagt sie.

"In diesem Bereich wurden erstmals Kombinationsbehandlungen evaluiert, wodurch in mehreren groß angelegten Studien gezeigt werden konnte, dass die Kombinationstherapie der Monotherapie überlegen ist.

„Diese Studie war aussagekräftig, (weil) sie zeigte, dass es eine Gesamtverbesserung mit der Kombinationstherapie verglichen mit jeder anderen Monotherapie gab. Aber für PD-L1-positive Patienten gab es keinen wirklichen Unterschied zwischen Kombination und Monotherapie. Der größte Unterschied bestand bei jenen, die PD-L1-negativ waren.

„Und das ist aus zwei Gründen wichtig: Erstens wollen wir den Patienten nicht mehr Therapien geben und mehr potentiellen Toxizitäten aussetzen, als nötig ist. Aber zweitens wollen wir in der Lage sein, denjenigen Patienten Vorteile zu bieten, bei denen es unwahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich ist, dass sie allein mit einer Anti-PD-1- oder PD-L1-Therapie behandelt werden können.“

„Die meisten klinischen Studien, die sich auf Lungenkrebs beziehen, konzentrieren sich jetzt auf Immuntherapie-Kombinationen ...“

Dr. O'Donnell-Tormey stimmt mit der Prognose von Dr. Ghandi für die laufende Entwicklung neuartiger Kombinationstherapien überein und zitiert die inhärent synergistische Natur der Immuntherapie.

„Sie kann nicht nur mit verschiedenen Immuntherapien kombiniert werden, sondern auch mit Bestrahlung und Chemotherapie“, sagt sie. „Und sie kann sehr zielgerichtet sein. Wenn Sie genau herausfinden können, wie der Marker einer Krebszelle vom Immunsystem „gesehen“ wird, können Sie diese Reaktion darauf ausrichten, direkt auf den Krebs zuzugehen und normale Zellen unbeachtet zu lassen, was unzweifelhaft eine der großen Hoffnungen für alle Krebsbehandlungen ist.

„Indem wir Checkpoint-Blockaden oder CAR-T-Zellen mit anderen Behandlungen oder mit sich selbst kombinieren, können wir erreichen, dass mehr Patienten länger ansprechen. Kombinationen sind sinnvoll, denn, um eine wirksame Immunantwort gegen Krebs zu erhalten, sind verschiedene Schritte erforderlich. Dies ist kein einstufiger Prozess.“

Dr. Ghandi stimmt zu, wobei sie wieder auf ihre direkte Erfahrung zurückgreifen kann. „Bei Lungenkrebs“, sagt sie, „war ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür vorhanden, dass eine Schwierigkeit dieser Kombination darin besteht, dass auch die Toxizität größer ist. Eine Möglichkeit, die erhöhte Toxizität bei Kombinationen abzuschwächen, könnte darin bestehen, den Dosierungsplan und die Dosierungskombination zu ändern.“

Wie Dr. O'Donnell-Tormey bereits erwähnt hat, ist die Kombination spezifischer Immuntherapien nur eine mögliche Strategie zur Identifizierung neuer und wirksamer Krebsbehandlungen. Von größerem Interesse für Dr. Ghandi ist, ob Patienten, die einer Chemotherapie, Strahlentherapie oder einer anderen zielgerichteten Therapie ausgesetzt waren, entweder weniger oder wahrscheinlicher auf eine nachfolgende Immuntherapie ansprechen.

„Ich denke, dass dies ein kritischer Forschungsbereich ist“, sagt sie, „weil es wahrscheinlich ist, dass die meisten Patienten diesen anderen Therapien ausgesetzt sind. Diese Instrumente zur Behandlung von Krebs werden nicht verschwinden.

„Tatsächlich würde ich sagen, dass die meisten klinischen Studien, die sich auf Lungenkrebs beziehen, jetzt auf Immuntherapien gerichtet sind - und es gibt zahlreiche mögliche Kombinationspartner.

„Wir wissen, dass Chemotherapie immunsuppressiv ist, was bedeutet, dass sie abgeleitete Suppressorzellen abbauen sollte. Theoretisch sollte sie einen Tumor immunogener machen. Das Gleiche gilt für die Bestrahlung.“

Und was ist mit der Idee, dass die Immuntherapie als Erstlinienbehandlung helfen könnte, einen größeren Erfolg bei der anschließenden Verwendung traditioneller Instrumente wie der Chemotherapie zu erreichen? Einige Forscher vertreten die Hypothese, dass die Immuntherapie im Wesentlichen als „Vorbereitung“ einer Chemotherapie-Reaktion dienen könnte.

„Ich denke nicht, dass das reine Spekulation ist“, sagt Ghandi. „(Aber) ich glaube nicht, dass wir das jetzt schon genau sagen können.“

Eine Sache scheint jedoch sicher zu sein: Eine Kombination von Therapien, die immuntherapeutische Mittel einschließen, könnte eines Tages die Monotherapie übertreffen, um zu einem Standardbehandlungsprotokoll für eine Vielzahl von Krebsarten zu werden. Bevor dies passieren kann, stehen die Forscher vor der gewaltigen Herausforderung herauszufinden, welche Patienten am meisten von einer bestimmten Kombinationstherapie profitieren können - mit minimaler Auswirkung durch die kombinierten Nebenwirkungen, die kombinierte Therapien erzeugen können.

Immuntherapie in den kommenden Jahrzehnten: Wird die Forschung zukünftige Entdeckungen beschleunigen?

Dr. O'Donnell-Tormey und Dr. Ghandi sind beide unausweichlich optimistisch, was die Zukunft der Immuntherapie anbelangt, ungeachtet der Tatsache, dass man bislang immer drei Schritte voraus und dann wieder einen Schritt zurück gemacht hat.

„In erster Linie ist (die Immuntherapie) universell und mächtig“, sagt O'Donnell-Tormey. „Und sie könnte sich für alle Krebsarten als wirksam erweisen. Wir wissen, dass sie Krebs in eine Krankheit verwandeln kann, die wir in den Griff bekommen, wenn nicht sogar heilen können. Sie ist außerdem anpassungsfähig. Das Immunsystem ist immer bereit, uns vor unbekannten Herausforderungen zu schützen. Wenn Krebsarten mutieren, kann sich unser Immunsystem darauf einstellen und immer noch eine Verteidigung aufbauen.

„Nie zuvor hatten wir so viele Patienten, die auf eine Immuntherapie positiv reagiert haben.“

„Wir haben in den letzten Jahren nicht nur in Tiermodellen, sondern auch an Patienten gesehen, dass die Reaktion auf die Immuntherapie dauerhaft sein kann, vielleicht weil das Immunsystem ein Gedächtnis hat. Diese angeborene Fähigkeit ist eines der Kennzeichen (unseres) Immunsystems und einer der Gründe, warum es sich dabei um eine so reizvolle Methode handelt, Krebs potenziell zu behandeln. "

Ausgehend von den Ergebnissen, die Dr. Ghandi bereits im „Rückspiegel“ sehen kann, sind die Aussichten, wo der Weg der Immuntherapie uns in den kommenden Jahren hinführen kann, für sie ermutigend.

„Wir behandeln einige Lungenkrebspatienten, beinahe 20 %, die dank der Immuntherapie Langzeitüberlebende sind“, sagt sie. „Und zwar sind das Patienten mit Metastasen, von denen man sonst nicht erwarten würde, dass sie länger als ein Jahr überleben würden.

„Nach drei Jahren können wir eine 27%ige Überlebensrate verzeichnet, etwas, was man bei Lungenkrebs bislang nicht kannte, da hier schon die Zwei-Jahres-Überlebensrate typischerweise nur 11 % beträgt und nach drei Jahren gegen Null geht. Diese Patienten also, die immer noch eine Untergruppe darstellen, kommen in den Genuss langfristiger Vorteile, die wir weder bei der Chemotherapie noch bei vielen gezielten Therapien haben.“

Nur wenige würden behaupten, dass die Lehren aus der Vergangenheit zusammen mit den jüngsten Erfolgen für den weiteren Fortschritt der Immuntherapie im Bereich der Onkologie eine gute Bilanz darstellen würde. Es mag keine „magischen Kugeln“ geben, aber die jüngsten Fortschritte deuten darauf hin, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Arsenal effektiver immuntherapeutischer Waffen für die Bewältigung oder den Sieg über den Krebs entwickeln können.

„Da wir schon sehr lange in diesem Bereich tätig sind, glaube ich, dass wir uns an einem ganz besonderen Punkt befinden“, sagt O'Donnell-Tormey.

„Nie zuvor hatten wir so viele Patienten, die auf eine Immuntherapie positiv reagiert haben. Leider haben auch viele nicht reagiert - das aber gibt uns eine Plattform, um Fragen zu stellen, die wir bislang nie stellen konnten.

„Wir hatten den großen Wechsel - von Menschen, die nicht glaubten, dass das Immunsystem als Krebsbehandlung verwendet werden könnte, zu einem großen Zug, auf den alle aufspringen, und jetzt sagen: „Die Immuntherapie revolutioniert die Krebsbehandlung“, wovon ich glaube, dass es zutrifft.

„Ich denke, dass die Immuntherapie - genauer gesagt; die Präzisions-Immuntherapie - in Zukunft zum Rückgrat der Krebsbehandlung wird.“

„Nach drei Jahren können wir eine 27%ige Überlebensrate verzeichnet, etwas, was man bei Lungenkrebs bislang nicht kannte, da hier schon die Zwei-Jahres-Überlebensrate typischerweise nur 11 % beträgt...“

Dr. Ghandi fügt hinzu: „Es ist wichtig, nicht zu vergessen, dass wir für alle Patienten besser werden wollen. Und wenn wir wissen, dass es Möglichkeiten gibt, eine Immunantwort zu stimulieren, und wir einige der Mechanismen kennen, die diese beeinträchtigen können, so sollten wir theoretisch in der Lage sein, diese zu überwinden und Tumore immunogener und besser erkennbar für das Immunsystem zu machen. Und das ist der Punkt, an dem viele unserer derzeitigen Bemühungen ansetzen.

„Und wenn wir es schaffen, diese Vorgehensweise bei Metastasen gut umzusetzen, würde unser nächstes Ziel sicherlich darin bestehen, diese Fähigkeiten an einem früheren Punkt in der Entwicklung von Krebs umsetzen zu können. Es sind einige Studien geplant, die untersuchen sollen, ob wir intrapulmonale Knoten - also Gewebe, das kein Tumor ist - mit Immuntherapien behandeln können um zu verhindern, dass sie zu (Krebs) werden.“

Es ist nicht überraschend, dass sich beide Ärzte einig sind, dass sich der Wettlauf gegen den Krebs in den kommenden Jahren nicht sehr stark von dem der vergangenen 50 Jahre unterscheiden wird. Dieser wird weiterhin eine erhebliche Menge an grundlegender und transaktionaler Forschung erfordern - ebenso wie kontinuierliche Zusammenarbeit und guten altmodischen Innovationsgeist.

Und obwohl die Reise zweifellos lange dauern wird, hat die Forschung nun Rückenwind und der bevorstehende Weg zeichnet sich deutlicher ab als je zuvor.

Weitere Informationen finden Sie in diesem Webinar auf der Website Jüngste Fortschritte in der Immuntherapie, präsentiert von Dr. Ghandi.



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